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Liesel hob sie auf.




Sie nahm ihm die Zigarette ab und steckte sie sich in den Mund. Aber auch sie konnte sie nicht anzünden.

Du musst daran ziehen, erklärte ihr der Mann. Bei diesem Wetter kriegst du sie nur an, wenn du daran ziehst, verstehst du?

Sie versuchte es wieder und überlegte, wie ihr Papa es immer getan hatte. Diesmal füllte sich ihr Mund mit Rauch. Er kletterte zwischen ihren Zähnen hindurch und kratzte ihre Kehle, aber sie unterdrückte ein Husten.

Gut gemacht. Er nahm die Zigarette, inhalierte und hielt ihr dann seine unverletzte Hand hin, die linke. Michael Holzinger.

Liesel Meminger.

Kommst du, um meiner Mutter vorzulesen?

In diesem Moment tauchte Rosa hinter Liesel auf, und das Mädchen spürte den Schock in ihrem Rücken. Michael?, fragte Rosa. Bist du das?

Michael Holzinger nickte. Guten Tag, Frau Hubermann. Es ist lange her. Du siehst so... Alt aus?

Rosa war immer noch erschrocken, aber sie fasste sich schnell. Möchtest du hereinkommen'; Wie ich sehe, hast du ja meine Pflegetochter schon kennengelernt... Ihre Stimme wanderte beim Anblick der blutigen Hand davon.

Mein Bruder ist tot, sagte Michael Holzinger, und er hätte sie nicht heftiger treffen können, wenn er mit seiner unverletzten Hand zugeschlagen hätte. Rosa schwankte. Sicher, Krieg bedeutete Sterben, aber dennoch zog es einem immer den Boden unter den Füßen weg, wenn es jemanden traf, den man gut kannte. Rosa hatte die beiden Holzinger-Jungs aufwachsen sehen.

Der gealterte junge Mann fand die Kraft, knapp zu berichten, was geschehen war, ohne die Fassung zu verlieren. Ich war in einem der Gebäude, die wir als Krankenhaus benutzten, als man ihn brachte. Eine Woche bevor ich nach Hause fuhr. Drei Tage lang saß ich bei ihm, bis er starb.

Es tut mir leid. Die Worte schienen nicht aus Rosas Mund zu kommen. An diesem Abend stand jemand anderes hinter Liesel Meminger, aber sie wagte nicht, sich umzudrehen und nachzusehen.

Bitte. Michael hob die Hand. Reden wir nicht mehr darüber. Kann ich das Mädchen zum Vorlesen mitnehmen? Ich bezweifle zwar, dass meine Mutter etwas hören wird, aber sie sagte, ich solle sie holen.

Ja, nimm sie mit.

Sie waren schon fast am Tor, als Michael Holzinger sich an etwas erinnerte. Er drehte sich um. Rosa? Er wartete, bis Mama die Tür wieder ganz aufgemacht hatte. Ich habe gehört, dass Ihr Sohn auch da war. In Russland. Ich habe jemanden aus Molching getroffen, und der hat's mir erzählt. Aber ich bin sicher, das wussten Sie bereits.

Rosa versuchte, ihn zurückzuhalten. Sie eilte hinaus und hielt ihn am Ärmel fest. Nein. Er ist eines Tages weggegangen und nie zurückgekommen. Wir haben versucht, ihn zu finden, dabei dann ist so viel passiert. Es war...

Michael Holzinger war zur Flucht entschlossen. Das Letzte, was er jetzt hören wollte, war eine weitere tränenreiche Geschichte. Er löste sich mit einem Ruck von Rosa und sagte: Soweit ich weiß, ist er am Leben. Er ging zu Liesel, die am Tor stand, aber das Mädchen folgte ihm nicht nach nebenan. Sie betrachtete jetzt Rosas Gesicht. Es hob sich und sackte zusammen, in einem einzigen Moment.

Mama?

Rosa hob die Hand. Geh.

Liesel wartete. Ich sagte, geh.

Als sie zu ihm aufschloss, versuchte der heimgekehrte Soldat, ein Gespräch in Gang zu bringen. Wahrscheinlich bedauerte er sein verbales Missgeschick Rosa gegenüber, und er bemühte sich, es unter anderen Worten zu begraben. Er hielt die verbundene Hand hoch und sagte: Ich kann die Blutung immer noch nicht stoppen. Liesel war zum ersten Mal froh, als sie Frau Holzingers Küche betrat. Je eher sie anfangen konnte zu lesen, umso besser.

Frau Holzinger saß da mit Streifen aus Draht in ihrem Gesicht.







: 2015-09-06; : 245.


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