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Komm, schau sie dir an, sagte dieses Gesicht.




Sie wird mich foltern, vermutete Liesel. Sie wird mich ins Haus locken, den Kamin anzünden und mich mitsamt den Büchern ins Feuer werfen. Oder sie schließt mich bei Wasser und Brot in den Keller ein.

Aus irgendeinem Grund jedoch - wahrscheinlich erlag sie der Verlockung der Bücher - ging sie hinein. Das Quietschen ihrer Schuhe auf den hölzernen Dielen ließ sie zusammenfahren, und als sie einen weiteren wunden Punkt traf, wo das Holz vernehmlich aufstöhnte, wäre sie beinahe stehen geblieben. Aber die Frau des Bürgermeisters ließ sich nicht aufhalten. Sie schaute nur kurz hinter sich und ging dann weiter, zu einer kastanienbraunen Tür. Jetzt stand in ihrem Gesicht eine Frage.

Bist du bereit?

Liesel reckte ihren Hals ein wenig, als ob sie über die Tür, die ihr im Wege stand, hinwegsehen könnte. Ein deutliches Zeichen, dass sie geöffnet werden sollte.

»Jesus, Maria...«

Sie sprach es aus, und die Worte fanden Eingang in einen Raum, der voller kalter Luft und Bücher war. Überall Bücher! Die Wände waren mit überfüllten, doch ordentlichen Regalen bestückt. Den Wandanstrich konnte man fast nirgends sehen. Die Schrift auf den Buchrücken war überall unterschiedlich, geschwungen und gerade, groß und klein. Die Buchrücken selbst waren nicht nur schwarz, rot und grau; sie wiesen jede vorstellbare Farbe auf. Der Anblick gehörte zu den schönsten, die Liesel Meminger je gesehen hatte.

Erfüllt von diesem Wunder, lächelte sie.

Dass ein solcher Raum existierte!

Sie versuchte, sich das Lächeln mit ihrem Unterarm aus dem Gesicht zu wischen, merkte abei sofort, dass dies ein sinnloses Unterfangen war. Sie fühlte die Augen der Frau über ihren Körper wandern, und als Liesel sie anschaute, ruhte ihr Blick auf dem Gesicht des Mädchens.

Es herrschte ein Maß an Stille, von dem sie nie gedacht hätte, dass es möglich war. Die Stille dehnte sich aus, wie ein Gummiband, das nur zu gerne gerissen wäre. Das Mädchen durchbrach sie.

»Darf ich?«

Die beiden Worte standen auf einem unendlich weiten, mit Holz belegten Feld. Die Bücher waren kilometerweit weg.







Дата добавления: 2015-09-06; просмотров: 88. Нарушение авторских прав

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